RT60 einfach erklärt

Die RT60 ist einer der wichtigsten Werte bei der Beurteilung der Raumakustik. Sie beschreibt vereinfacht gesagt, wie lange der Schall in einem Raum nachklingt.

Eine passende Nachhallzeit sorgt dafür, dass Sprache verständlich, Musik klar und ein Raum weder zu hallig noch zu trocken wirkt.

Doch was bedeutet RT60 genau, wie wird sie gemessen und welcher Wert ist für deinen Raum sinnvoll?

Was bedeutet RT60?

RT60 steht für Reverberation Time 60 beziehungsweise Nachhallzeit 60.

Der Wert gibt an, wie lange es dauert, bis ein Schallpegel nach dem Abschalten der Schallquelle um 60 Dezibel abgenommen hat.

Ein Beispiel:

Wird in einem Raum ein lautes Geräusch erzeugt und klingt dieses nach ungefähr 0,5 Sekunden deutlich ab, liegt die Nachhallzeit ungefähr bei 0,5 Sekunden.

Je höher der RT60-Wert ist, desto länger hallt der Raum nach.

Je niedriger der Wert ist, desto schneller wird der Schall im Raum abgeschwächt.

Warum ist die Nachhallzeit wichtig?

Die Nachhallzeit beeinflusst stark, wie wir einen Raum wahrnehmen.

Ist sie zu lang, können Sprache, Musik und einzelne Schallereignisse ineinander verschwimmen. Der Raum wirkt hallig und unpräzise.

Ist die Nachhallzeit zu kurz, kann der Raum trocken, klein oder unnatürlich wirken.

Eine ausgewogene RT60 verbessert unter anderem:

  • Sprachverständlichkeit
  • Klarheit von Musik
  • Ortung einzelner Schallquellen
  • Konzentration in Büros
  • Aufnahmequalität im Tonstudio
  • Hörkomfort in Wohn- und Arbeitsräumen

Die ideale Nachhallzeit hängt immer von der Nutzung und der Größe des Raumes ab.

Wie hört sich eine zu lange RT60 an?

Eine zu lange Nachhallzeit macht sich häufig durch folgende Merkmale bemerkbar:

  • Sprache klingt undeutlich
  • Gespräche werden anstrengend
  • Musik wirkt verwaschen
  • der Bass klingt langsam und dröhnend
  • einzelne Töne überdecken sich
  • der Raum wirkt laut und unruhig
  • Klatschen erzeugt einen langen Nachhall

Besonders in Räumen mit vielen harten Flächen entstehen häufig lange Nachhallzeiten.

Typische Ursachen sind:

  • Betonwände
  • Glasflächen
  • Fliesen- oder Steinböden
  • leere Wände
  • hohe Decken
  • wenig Möbel
  • fehlende Akustikelemente

Kann eine RT60 auch zu kurz sein?

Ja. Ein Raum kann auch zu stark bedämpft werden.

Werden zu viele absorbierende Materialien eingesetzt, kann der Raum leblos und unnatürlich wirken. Musik verliert an Räumlichkeit und Stimmen wirken möglicherweise sehr nah und trocken.

Besonders in Aufnahmeräumen und Musikzimmern ist nicht automatisch der niedrigste RT60-Wert der beste.

Das Ziel ist eine gleichmäßige und zur Nutzung passende Nachhallzeit.

Welche RT60 ist gut?

Es gibt keinen einzelnen RT60-Wert, der für alle Räume ideal ist.

Die passende Nachhallzeit hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Raumgröße
  • Raumvolumen
  • Nutzung
  • Möblierung
  • gewünschter Klang
  • Frequenzbereich
  • Anzahl der Personen im Raum

Als grobe Orientierung können folgende Bereiche dienen:

Raumart Typischer RT60-Bereich
Tonstudio-Regieraum ca. 0,2 bis 0,4 Sekunden
kleiner Aufnahmeraum ca. 0,3 bis 0,6 Sekunden
Podcast- oder Sprachraum ca. 0,2 bis 0,4 Sekunden
Wohnraum ca. 0,4 bis 0,8 Sekunden
Büro oder Besprechungsraum ca. 0,4 bis 0,7 Sekunden
Klassenzimmer ca. 0,5 bis 0,8 Sekunden
Konzertsaal häufig deutlich über 1 Sekunde

Diese Angaben sind nur Richtwerte. Ein großer Raum benötigt in der Regel eine längere Nachhallzeit als ein kleiner Raum.

Auch die gewünschte Nutzung spielt eine wichtige Rolle. Ein Raum für Sprachaufnahmen wird normalerweise trockener abgestimmt als ein Konzertsaal.

Ist RT60 bei allen Frequenzen gleich?

Nein. Die Nachhallzeit wird über verschiedene Frequenzbereiche betrachtet.

Ein Raum kann im Hochton bereits trocken klingen, während tiefe Frequenzen noch lange nachschwingen.

Deshalb sollte die RT60 nicht nur als einzelner Durchschnittswert beurteilt werden.

Wichtig ist die Verteilung über den gesamten Frequenzbereich.

Typische Probleme sind:

  • lange Nachhallzeit im Bass
  • zu starke Dämpfung im Hochton
  • ungleichmäßige Werte zwischen den Frequenzen
  • einzelne besonders lange ausklingende Bereiche

Eine gute Raumakustik bedeutet nicht nur eine kurze Nachhallzeit, sondern einen möglichst kontrollierten und gleichmäßigen Verlauf.

RT60 und Bassprobleme

Tiefe Frequenzen benötigen besonders viel Zeit, um abzuklingen.

Deshalb zeigen viele kleine Räume im Bassbereich deutlich längere Ausklingzeiten als in den Mitten und Höhen.

Das kann dazu führen, dass der Bass:

  • dröhnend
  • unpräzise
  • langsam
  • überbetont
  • schlecht ortbar

wahrgenommen wird.

Normale dünne Akustikpaneele helfen gegen tiefe Frequenzen nur begrenzt. Für eine bessere Kontrolle werden häufig dicke Breitbandabsorber, Bassfallen und eine optimierte Lautsprecherposition benötigt.

Wie wird die RT60 gemessen?

Die Nachhallzeit kann mit einem Messmikrofon und einer Akustiksoftware gemessen werden.

Eine häufig verwendete kostenlose Software ist Room EQ Wizard, kurz REW.

Für eine Messung werden in der Regel benötigt:

  • ein kalibriertes Messmikrofon
  • ein Computer
  • eine geeignete Audioverbindung
  • ein Lautsprecher
  • eine Messsoftware wie REW

Die Software erzeugt ein Testsignal und analysiert, wie der Schall im Raum abklingt.

Anschließend werden die Nachhallzeiten für verschiedene Frequenzbereiche dargestellt.

Was bedeuten T20 und T30?

In kleinen Räumen kann der Schallpegel häufig nicht sauber über den vollständigen Bereich von 60 Dezibel gemessen werden.

Deshalb verwenden Messprogramme oft Werte wie T20 oder T30.

Bei T20 wird ein kleinerer Abklingbereich ausgewertet und anschließend auf 60 Dezibel hochgerechnet.

Bei T30 wird ein Bereich von 30 Dezibel verwendet und ebenfalls auf RT60 umgerechnet.

T20 und T30 sind somit keine Nachhallzeiten von nur 20 oder 30 Sekunden. Es handelt sich um unterschiedliche Messmethoden zur Berechnung der theoretischen RT60.

RT60 oder EDT?

Neben RT60 wird häufig auch die EDT angezeigt.

EDT bedeutet Early Decay Time und beschreibt den frühen Abklingverlauf des Schalls.

Dieser Wert kann besonders wichtig sein, weil der erste Teil des Nachhalls unsere subjektive Wahrnehmung stark beeinflusst.

Ein Raum kann messtechnisch eine akzeptable RT60 besitzen und trotzdem als hallig wahrgenommen werden, wenn die frühen Reflexionen besonders stark sind.

Deshalb sollten RT60, EDT und weitere Messwerte immer gemeinsam betrachtet werden.

Wie kann man die RT60 verbessern?

Eine zu lange Nachhallzeit lässt sich durch absorbierende Flächen reduzieren.

Geeignete Maßnahmen sind:

  • Breitbandabsorber an den Wänden
  • Deckensegel
  • Bassfallen in den Raumecken
  • schwere Vorhänge
  • Teppiche
  • Polstermöbel
  • akustisch wirksame Trennwände
  • Wand- und Deckenabsorber

Dabei sollte der Raum nicht nur im Hochton behandelt werden.

Dünne Materialien absorbieren häufig hauptsächlich hohe Frequenzen. Der Bass bleibt dadurch weiterhin unkontrolliert, während der Raum gleichzeitig dumpf wirken kann.

Für eine ausgewogene Akustik sollten deshalb ausreichend dicke Absorber verwendet werden.

Wo sollten Absorber angebracht werden?

Die richtige Position hängt von der Raumnutzung ab.

In einem Tonstudio werden häufig folgende Bereiche behandelt:

  • Erstreflexionspunkte an den Seitenwänden
  • Decke über der Hörposition
  • Raumecken
  • Rückwand
  • teilweise die Frontwand

In Büros oder Besprechungsräumen können Wandabsorber und Deckensegel die Sprachverständlichkeit deutlich verbessern.

In Wohnräumen werden häufig dekorative Akustikbilder, Deckensegel oder maßgefertigte Absorber eingesetzt.

Warum eine einzelne RT60-Zahl nicht ausreicht

Eine Raumakustik sollte nicht nur anhand eines einzelnen Wertes beurteilt werden.

Zwei Räume können denselben durchschnittlichen RT60-Wert besitzen und trotzdem völlig unterschiedlich klingen.

Zusätzlich zur Nachhallzeit sollten unter anderem folgende Messungen betrachtet werden:

  • Frequenzgang
  • Impulsantwort
  • frühe Reflexionen
  • Waterfall-Diagramm
  • Spectrogramm
  • Bassausklingzeit
  • ETC-Diagramm

Erst die Kombination verschiedener Messwerte ermöglicht eine zuverlässige Beurteilung.

Häufige Fehler bei der RT60-Optimierung

Nur dünne Akustikpaneele verwenden

Dünne Paneele reduzieren hauptsächlich hohe Frequenzen. Der Bassbereich bleibt oft nahezu unverändert.

Den Raum vollständig bedämpfen

Zu viel Absorption kann den Raum unnatürlich trocken und leblos machen.

Nur einen Messpunkt verwenden

Ein einzelner Messpunkt bildet die gesamte Akustik eines Raumes nicht zuverlässig ab.

Nur auf den Durchschnittswert achten

Ein niedriger Durchschnittswert bedeutet nicht automatisch eine gute Akustik. Einzelne Frequenzen können weiterhin sehr lange nachschwingen.

Möbel mit professionellen Absorbern gleichsetzen

Sofas, Teppiche und Vorhänge helfen hauptsächlich in bestimmten Frequenzbereichen. Sie ersetzen keine gezielt geplante Akustikbehandlung.

Fazit

Die RT60 beschreibt, wie lange Schall in einem Raum nachklingt. Sie ist ein wichtiger Messwert für Tonstudios, Büros, Heimkinos, Musikräume und Wohnräume.

Eine gute Nachhallzeit sollte zur Nutzung des Raumes passen und über die verschiedenen Frequenzen möglichst gleichmäßig verlaufen.

Ein sehr niedriger RT60-Wert ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist ein ausgewogener Raum, der klar, kontrolliert und trotzdem natürlich klingt.

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Häufig gestellte Fragen zur RT60

Was bedeutet RT60?

RT60 beschreibt die Zeit, die ein Schall benötigt, um nach dem Abschalten der Schallquelle um 60 Dezibel abzufallen.

Ist eine niedrige RT60 immer besser?

Nein. Eine zu niedrige Nachhallzeit kann einen Raum trocken und leblos wirken lassen. Die optimale RT60 hängt von der Nutzung und Größe des Raumes ab.

Welche RT60 ist für ein Tonstudio gut?

In kleinen Regieräumen liegt die Nachhallzeit häufig ungefähr zwischen 0,2 und 0,4 Sekunden. Der ideale Wert hängt jedoch vom Raumvolumen und dem Studiokonzept ab.

Wie kann ich die RT60 messen?

Die RT60 kann mit einem kalibrierten Messmikrofon und einer Software wie Room EQ Wizard gemessen werden.

Was ist der Unterschied zwischen RT60 und T30?

RT60 beschreibt die theoretische Abklingzeit um 60 Dezibel. T30 misst einen kleineren Pegelbereich und rechnet das Ergebnis auf 60 Dezibel hoch.

Warum ist die RT60 im Bass häufig länger?

Tiefe Frequenzen werden von Wänden und dünnen Absorbern weniger stark aufgenommen. Außerdem regen sie Raummoden an, die den Bass länger nachschwingen lassen.

Helfen Teppiche gegen eine lange RT60?

Teppiche absorbieren hauptsächlich hohe Frequenzen. Gegen lange Ausklingzeiten im Bass helfen sie kaum.

Kann man die RT60 mit Diffusoren reduzieren?

Diffusoren verteilen Schall, absorbieren ihn aber nur begrenzt. Zur deutlichen Reduzierung der Nachhallzeit werden hauptsächlich Absorber eingesetzt.