Ein Raum kann modern und hochwertig eingerichtet sein und trotzdem unangenehm hallen. Gespräche wirken anstrengend, Stimmen sind schwer verständlich und Musik klingt unpräzise oder zu laut. Besonders in neuen Wohnungen, Büros, Restaurants oder offenen Wohnbereichen tritt dieses Problem häufig auf.

Doch warum entsteht Hall überhaupt? Und was kann man dagegen tun, ohne den ganzen Raum umzubauen?

In diesem Beitrag zeigen wir die fünf häufigsten Ursachen für Hall und erklären, mit welchen einfachen Massnahmen sich die Raumakustik schnell verbessern lässt.

Was ist Hall im Raum?

Beim Sprechen, Musikhören oder Fernsehen entstehen Schallwellen. Diese breiten sich im Raum aus und treffen auf Wände, Boden, Decke, Fenster, Möbel und andere Gegenstände.

Ein Teil des Schalls wird von den Oberflächen aufgenommen. Ein anderer Teil wird zurück in den Raum reflektiert. Treffen besonders viele Reflexionen kurz nacheinander beim Ohr ein, bleibt der Schall länger hörbar. Dieser Effekt wird als Nachhall bezeichnet.

Ein gewisser Nachhall ist normal und notwendig. Ohne Reflexionen würde ein Raum unnatürlich und „tot“ klingen. Wird die Nachhallzeit jedoch zu lang, verschlechtert sich die Sprachverständlichkeit. Geräusche überlagern sich und der Raum wirkt laut, unruhig und unangenehm.

1. Zu viele harte Oberflächen

Die häufigste Ursache für Hall sind grosse, harte und glatte Flächen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Betonwände
  • Fliesen und Naturstein
  • Parkett oder Laminat
  • Glasflächen
  • glatte Decken
  • grosse Tischplatten
  • Schrankfronten ohne Struktur

Diese Materialien nehmen nur wenig Schall auf. Stattdessen reflektieren sie einen grossen Teil der Schallenergie zurück in den Raum.

Besonders problematisch ist die Kombination aus Fliesenboden, grossen Fenstern und leeren Wänden. In einem solchen Raum kann der Schall mehrfach zwischen den verschiedenen Flächen hin- und hergeworfen werden.

Schnelle Abhilfe

Bereits textile Materialien können die Raumakustik spürbar verbessern. Geeignet sind beispielsweise:

  • ein grosser Teppich
  • schwere Vorhänge
  • gepolsterte Möbel
  • Stoffrollos
  • Wandteppiche
  • textile Raumtrenner

Diese Massnahmen reduzieren vor allem Reflexionen im mittleren und hohen Frequenzbereich. Bei starkem Hall reichen Teppiche und Vorhänge allein jedoch oft nicht aus. In diesem Fall sind zusätzliche Akustikabsorber sinnvoll.

2. Der Raum ist zu leer eingerichtet

Minimalistische Räume wirken optisch oft elegant, sind akustisch jedoch häufig problematisch. Wenige Möbel, freie Wände und grosse offene Flächen bieten dem Schall kaum Widerstand.

Das lässt sich besonders gut in einer noch nicht eingerichteten Wohnung beobachten. Schon ein normales Gespräch erzeugt einen deutlich hörbaren Nachklang.

Möbel, Regale, Pflanzen und Dekoration können den Schall teilweise streuen oder aufnehmen. Je leerer ein Raum ist, desto länger bleibt die Schallenergie darin erhalten.

Schnelle Abhilfe

Der Raum muss nicht vollständig zugestellt werden. Schon einige gezielte Veränderungen können helfen:

  • ein gefülltes Bücherregal an einer freien Wand
  • ein Sofa oder gepolsterte Sessel
  • grössere Pflanzen
  • offene Regale
  • Kissen und textile Dekoration
  • Möbel mit unterschiedlichen Formen und Tiefen

Besonders gefüllte Bücherregale können dabei helfen, den Schall unregelmässiger im Raum zu verteilen. Pflanzen unterstützen diesen Effekt ebenfalls, ersetzen jedoch keine professionellen Akustikelemente.

3. Parallele Wände erzeugen starke Reflexionen

Die meisten Räume sind rechteckig aufgebaut. Dadurch stehen sich Wände, Boden und Decke parallel gegenüber. Schallwellen können zwischen diesen Flächen hin- und herreflektiert werden.

Besonders auffällig ist das sogenannte Flatterecho. Klatscht man einmal kräftig in die Hände, hört man ein schnelles, metallisches oder flatterndes Echo.

Typische Bereiche für Flatterechos sind:

  • zwischen zwei kahlen Seitenwänden
  • zwischen Boden und Decke
  • zwischen grossen Fensterflächen
  • in langen Fluren
  • in schmalen Besprechungsräumen
  • zwischen Schreibtisch und glatter Decke

Schnelle Abhilfe

Um ein Flatterecho zu reduzieren, sollte mindestens eine der gegenüberliegenden Flächen behandelt werden.

Geeignete Lösungen sind:

  • Wandabsorber
  • Akustikbilder
  • Vorhänge vor grossen Fensterflächen
  • Bücherregale
  • Deckensegel
  • Akustikpaneele
  • Diffusoren zur Schallstreuung

Oft muss nicht jede Wand vollständig behandelt werden. Bereits einige gezielt platzierte Absorber können die störenden Reflexionen deutlich reduzieren.

4. Hohe Decken und grosse offene Räume

Hohe Räume, Lofts und offene Wohnbereiche besitzen ein grosses Raumvolumen. Dadurch hat der Schall mehr Platz und benötigt länger, bis er ausreichend abgeschwächt wird.

Dieses Problem tritt besonders häufig in folgenden Räumen auf:

  • offenen Wohn- und Essbereichen
  • Galeriewohnungen
  • Treppenhäusern
  • Grossraumbüros
  • Restaurants
  • Besprechungsräumen
  • Räumen mit Sichtbetondecken

In solchen Räumen reicht eine Behandlung der Wände oft nicht aus. Ein grosser Teil des Schalls wird zusätzlich zwischen Boden und Decke reflektiert.

Schnelle Abhilfe

Bei hohen Decken sind Deckensegel besonders wirkungsvoll. Sie werden mit Abstand unter der Decke montiert und absorbieren einen grossen Teil der auftreffenden Schallenergie.

Weitere Möglichkeiten sind:

  • Deckenabsorber
  • vertikale Akustik-Baffeln
  • abgehängte Akustikdecken
  • grossformatige Wandabsorber
  • akustische Raumteiler

Deckensegel eignen sich besonders gut über Esstischen, Arbeitsplätzen, Sitzgruppen oder Besprechungstischen. Dort reduzieren sie störende Reflexionen genau in den Bereichen, in denen Gespräche stattfinden.

5. Zu wenig oder falsch platzierte Akustikelemente

Manchmal sind bereits Teppiche, Vorhänge oder einzelne Akustikpaneele vorhanden, der Raum hallt aber trotzdem.

Das liegt häufig daran, dass die eingesetzten Elemente:

  • zu klein sind
  • zu dünn sind
  • nur an einer Stelle montiert wurden
  • falsch positioniert sind
  • überwiegend hohe Frequenzen absorbieren
  • selbst teilweise reflektierend wirken

Ein einzelnes kleines Akustikbild kann in einem grossen Raum kaum eine deutliche Veränderung bewirken. Auch dünne Filzpaneele oder dekorative Holzlamellen haben nur eine begrenzte Wirkung, wenn die dahinterliegende Absorptionsschicht zu dünn ist.

Schnelle Abhilfe

Akustikelemente sollten möglichst sinnvoll im Raum verteilt werden. Gute Positionen sind:

  • grosse freie Wandflächen
  • Bereiche neben oder hinter einem Arbeitsplatz
  • die Wand hinter einem Sofa
  • Flächen gegenüber grossen Fenstern
  • die Decke über einem Tisch
  • gegenüberliegende parallele Wände
  • obere Wandbereiche in hohen Räumen

Für eine breitbandige Wirkung sind ausreichend dicke Absorber empfehlenswert. Wandabsorber mit einer Tiefe von etwa fünf bis zehn Zentimetern oder mehr können deutlich mehr Schall aufnehmen als sehr dünne Akustikpaneele.

Ein zusätzlicher Abstand zwischen Absorber und Wand kann die Wirkung weiter verbessern.

Ein einfacher Test für zu viel Hall

Mit einem Klatschtest lässt sich die Akustik eines Raumes grob beurteilen.

Stellen Sie sich ungefähr in die Mitte des Raumes und klatschen Sie einmal kräftig in die Hände. Achten Sie darauf, wie lange das Geräusch hörbar bleibt.

Ein langer, diffuser Nachklang deutet auf eine hohe Nachhallzeit hin. Ein kurzes, metallisches Flattern ist dagegen ein Hinweis auf ein Flatterecho zwischen parallelen Flächen.

Auch im Alltag gibt es typische Hinweise auf eine problematische Raumakustik:

  • Gespräche sind anstrengend.
  • Mehrere Personen sind schwer verständlich.
  • Der Fernseher muss sehr laut eingestellt werden.
  • Telefongespräche klingen unangenehm.
  • Musik wirkt verschwommen oder unpräzise.
  • Geräusche aus Küche oder Essbereich dominieren den ganzen Raum.

Für eine genaue Beurteilung reicht ein Klatschtest jedoch nicht aus. Eine professionelle Akustikmessung zeigt, wie lange der Schall in unterschiedlichen Frequenzbereichen im Raum nachklingt.

Was hilft schnell gegen Hall?

Wer die Raumakustik kurzfristig verbessern möchte, kann mit einfachen Massnahmen beginnen.

Ein grosser Teppich reduziert Reflexionen vom Boden. Schwere Vorhänge helfen bei grossen Fensterflächen. Gepolsterte Möbel, Kissen und textile Elemente sorgen für zusätzliche Absorption.

Bei deutlich hörbarem Hall sind Wandabsorber und Deckensegel jedoch meist die wirkungsvollere Lösung. Sie können gezielt an den wichtigsten Reflexionsflächen montiert und optisch an den Raum angepasst werden.

Wichtig ist, nicht nur eine kleine Stelle zu behandeln. Die Absorption sollte möglichst gleichmässig im Raum verteilt werden.

Wie viel Akustikbehandlung benötigt ein Raum?

Wie viele Absorber oder Deckensegel benötigt werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Grösse und Höhe des Raumes
  • vorhandene Materialien
  • Anzahl und Grösse der Fenster
  • Möblierung
  • Nutzung des Raumes
  • Anzahl der Personen
  • gewünschte Akustik

Ein Wohnzimmer benötigt eine andere akustische Abstimmung als ein Tonstudio, Grossraumbüro oder Restaurant.

Zu wenig Absorption lässt den Raum weiterhin hallig klingen. Zu viel Absorption kann dagegen dazu führen, dass er unangenehm trocken und leblos wirkt. Eine gute Akustikplanung schafft deshalb ein ausgewogenes Verhältnis aus Absorption, Reflexion und Schallstreuung.

Fazit

Hall entsteht meistens nicht durch eine einzige Ursache, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Harte Oberflächen, grosse Fenster, wenige Möbel, parallele Wände und hohe Decken können die Nachhallzeit deutlich verlängern.

Einfache Massnahmen wie Teppiche, Vorhänge und gepolsterte Möbel sorgen oft für eine erste Verbesserung. Bei stärkerem Nachhall sind professionell geplante Wandabsorber und Deckensegel jedoch deutlich effektiver.

Wer die Ursachen gezielt behandelt, verbessert nicht nur den Klang des Raumes. Auch Gespräche werden verständlicher, Musik klingt klarer und der gesamte Raum wirkt ruhiger und angenehmer.